…keine Sache des Wissens.
Jetzt ist auch am Neusiedlersee ein toter Vogel gefunden worden, der am H5N1 Virus gestorben sein könnte. Also hat man den Direktor des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel befragt, welche Maßnahmen nun getroffen würden. Der gute Mann konnte nicht viel antworten. Aber er konnte die Problemlage besser beschreiben als viele Experten: “Es ist eine Sache des Glaubens, nicht des Wissens”.
Was wissen wir:
Die “Vogelgrippe” gibt es schon einige Jahre lang, vor allem in Asien. Dort sind bisher etwa 60 Todesfälle auf diese Krankheit zurück zu führen.
Also: 60 Tote in 2 Jahren.
An Malaria sterben pro Jahr etwa 1 Million Menschen… Alan Schapira von der WHO gab für Ende 2004 die Anzahl der Fälle von Malaria mit 350 bis 500 Millionen an.
In den Niederlanden brach die Vogelgrippe vor 2 Jahren aus. Damals erkrankten 83 Menschen, es gab einen Toten (einen Tierarzt).
Das Einfallstor für die Influenza-A-Viren, zu denen die Vogelgrippe gehört, sind die Atmungsorgane. Man infiziert sich durch das Einatmen von mit Viren verseuchten Tröpfchen oder Staub.
An der Vogelgrippe erkranken - und sterben - Vögel. Die Variante H5N1 ist auch für den Menschen gefährlich, aber - so wie fast alle Formen der (derzeitigen) Grippeinfektionen - nicht grundsätzlich lebensbedrohlich.
Was glauben wir?
Dass sich das Virus verändern wird, möglicherweise zu einer aggressiven, für Menschen lebensbedrohlichen Art
Einerseits könnte sich das Virus quasi durch “Zucht” verändern.
Angenommen jemand erkrankt an einer “normalen” (Human-)Grippe und fängt sich zusätzlich das Vogelgrippe-Virus ein. Dann könnte aus den zwei Viren ein neues, aggressiveres entstehen. Biologen nennen das “genetische Reassortierung”, d.h., Neuanordnung der Genom-Segmente des Virus.
Um dem vorzubeugen macht es auch Sinn, sich “gegen Grippe” impfen zu lassen, auch wenn es gegen den Stamm H5N1 noch kein Impfserum gibt.
Die andere Art der Veränderung ist die Mutation des Virus, die sowohl im Menschen als auch in den gefiederten Wirten stattfinden kann. Gegen eine Mutation des Virus gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen.
Warum jetzt?
Die verheerendste Grippewelle der Neuzeit war die “Spanische Grippe”, die zwischen 1918 und 1920 grassierte und mindestens 25 Millionen Menschen das Leben kostete, u.a. Egon Schiele und Max Weber.
Am 6.10.2005 veröffentlichten nun die Magazine “Science” und “Nature” einen Forschungsbericht des “Center for Disease Control and Prevention”. Nach diesem Bericht ist das “Killer-Virus” von 1918 anhand einer im Permafrostboden von Alaska begrabenen Leiche eines Grippeopfers rekonstruiert worden. Und die Forscher sind der Meinung, dass das damalige Killervirus von einem Vogelgrippe-Virus abstammte, das erst ganz knapp vor der Pandemie auf den Menschen übergesprungen sei. Auch sei das 1918er Virus (Subtyp A/H1N1) den bekannten Varianten des Vogelgrippevirus sehr ähnlich, sodass es nur geringer bzw. weniger Mutationen bedurft habe, um es so gefährlich werden zu lassen. Das Virus der Spanischen Grippe sei also nicht durch genetische Reassortierung entstanden, sondern durch Mutation.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das H5N1 Virus mutieren wird, wird als hoch angenommen.
Gute Nacht!
Danke für die klare Zusammenstellung der Problemlage. Bisher habe ich auch nur “geglaubt”, jetzt weiß ich wenigstens ein bisschen mehr, was Sache ist.
Und das Wissen macht mich weniger schlaflos als das Glauben
Kommentar von tatore — 27. Oktober 2005 @ 20:58